Die potentiell malignen oralen Läsionen (PMOL) sind morphologische Veränderungen der Mundschleimhaut, die ein erhöhtes Risiko für eine neoplastische Transformation aufweisen. Daher ist es wichtig, ihre epidemiologische Bedeutung zu verstehen und sie klassifizieren zu können, um eine korrekte Diagnose und Nachsorge zu gewährleisten.
- 1 Epidemiologische Bedeutung von LOPM
- 2 Klassifizierung potenziell bösartiger Läsionen im Mundraum
- 3 Ätiopathogenetische Überlegungen und prädisponierende Faktoren
- 4 Klinische Erscheinungsformen der LOPM
- 5 Typische Erscheinungsbilder potenziell bösartiger Läsionen im Mundraum
- 6 Diagnoseprotokolle für LOPM
- 7 Klinische Nachsorge und Überwachung
- 8 Die Rolle des Allgemeinzahnarztes bei potenziell bösartigen Läsionen im Mundraum
Epidemiologische Bedeutung von LOPM
Mundhöhlenkrebs macht weltweit etwa 3 % aller bösartigen Tumoren aus, und trotz der Fortschritte bei der Behandlung ist die Sterblichkeitsrate nach wie vor hoch: Nur 40 % bis 60 % der Patienten überleben länger als fünf Jahre, was in der Regel auf eine späte Diagnose zurückzuführen ist. Diese Daten unterstreichen, wie wichtig es ist, einen präventiven Ansatz zu wählen, um potenziell bösartige Mundläsionen so früh wie möglich zu erkennen.
Klassifizierung potenziell bösartiger Läsionen im Mundraum
Potentiell bösartige Läsionen im Mundraum lassen sich in verschiedene Arten einteilen:
- Orale Leukoplakie: macht 85 % der Fälle aus. Diese wird wiederum in zwei Typen unterteilt: homogene und inhomogene Läsionen, wobei letztere besondere Aufmerksamkeit erfordern.
- Orale Erythroplasie: tritt in der Regel nur bei 0,2 % bis 0,83 % der Betroffenen auf, es wird ihr jedoch eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine maligne Transformation zugeschrieben, und zwar in 14 % bis 50 % der Fälle.
Außerdem werden folgende Erkrankungen unterschieden: orale Lichen planus, aktinische Cheilitis, orale Submukosafibrose, Gaumenläsionen bei Passivrauchern, chronisches traumatisches Ulkus, nikotinische Stomatitis, chronische hyperplastische Candidiasis, oraler Lupus erythematodes, syphilitische Glossitis und angeborene Dyskeratose.
Ätiopathogenetische Überlegungen und prädisponierende Faktoren
Der Anstieg der LOPM steht im Zusammenhang mit schädlichen Gewohnheiten wie dem Konsum von Tabak, sei es in gerauchter oder gekauter Form, sowie dem Alkoholkonsum und der längeren Exposition gegenüber ultravioletter Strahlung zusammen. Auch Virusinfektionen durch das humane Papillomavirus (HPV) oder das Epstein-Barr-Virus, Störungen des Immunsystems, chronische Traumata durch schlecht sitzende Prothesen oder scharfe Zahnränder, Mangelernährung und andere Gewohnheiten spielen eine Rolle.
| Verletzung | Assoziierte Faktoren |
| Orale Leukoplakie | Tabak- und Alkoholkonsum, HPV-Infektion, Candida albicans oder Epstein-Barr-Virus, genetische Störungen und chronische Reizungen durch schlecht sitzende Zahnprothesen. |
| Orale Erythroplasie | Ähnlich wie oben. |
| Orales Lichen planus | Die Ursache ist unbekannt; die Erkrankung steht im Zusammenhang mit immunologischen Faktoren und kann unter anderem durch Alkohol, Tabak, HPV, UV-Strahlung, Immunsuppression, Stress, Angstzustände und Betelnüsse verschlimmert werden. |
| Aktinische Cheilitis | Längere Einwirkung von UV-Strahlung, schlechte Mundhygiene, Verletzungen, Tabak- oder Alkoholkonsum, allergische Reaktionen, Infektionen oder systemische Erkrankungen. |
| Submuköse Fibrose im Mundraum | Die Ursache ist unbekannt; die Erkrankung wird mit langjährigem Konsum von Tabak, Chilischoten, Limetten und Betelnüssen sowie mit Kollagen- und Immunerkrankungen oder Nährstoffmangel in Verbindung gebracht. |
Klinische Symptome von LOPM
Potentiell bösartige Läsionen im Mundraum weisen ein vielfältiges klinisches Spektrum auf:
| Verletzung | Klinisches Bild | Symptome |
| Orale Leukoplakie | Weißer Fleck, der sich beim Abkratzen nicht ablöst. Er kann homogen oder inhomogen sein: erythroleukopasie, verrukös oder knotig. | Asymptomatisch; glatte oder rissige Oberfläche; einzeln oder mehrfach. |
| Orale Erythroplasie | Rote, samtige, glatte oder körnige Plaque mit klar abgegrenzten Rändern. | In der Regel asymptomatisch; entzündliches Erscheinungsbild. |
| Orales Lichen planus | Wickham-Streifen auf erythematösem Grund. Sie können retikulär, erosiv oder atrophisch sein. | Schmerzen, Brennen und Geschwüre. |
| Aktinische Cheilitis | Betroffen ist die Unterlippe; Verlust des Lippenrandes, Trockenheit, Risse, Schuppenbildung. | Schmerzen, Blutungen, gelegentlich Blasen. |
| Submuköse Fibrose im Mundraum | Faserige Streifen in der Schleimhaut, blasse Stellen. | Brennen, eingeschränkte Mundöffnung. |
Typische Erscheinungsbilder potenziell bösartiger Läsionen im Mundraum
Es ist wichtig zu beachten, dass auch die Lage potenziell bösartiger Läsionen im Mund einen Einfluss auf das Risiko hat; es gibt Bereiche im Mund, in denen das Epithel dünner ist, stärker Reizstoffen oder Karzinogenen ausgesetzt ist und eine höhere Zellerneuerungsrate aufweist. Zu diesen Bereichen zählen beispielsweise die seitlichen und vorderen Bereiche der Zunge, der Mundboden, der weiche Gaumen und die Unterlippe.
| Verletzung | Üblicher Standort | Gebiete mit erhöhtem Risiko |
| Orale Leukoplakie | Zunge, Lippenrot, Alveolarschleimhaut des Unterkiefers, Jukalschleimhaut. | Zunge, Mundboden. |
| Orale Erythroplasie | Mundschleimhaut, Gaumenschleimhaut, Wangen-Schleimhaut. | Zungenboden. |
| Orales Lichen planus | Zunge, Mundschleimhaut, Lippen, Zahnfleisch. | Zunge (Erosionsformen). |
| Aktinische Cheilitis | Unterlippe. | Unterlippe. |
| Submuköse Fibrose im Mundraum | Wangen-Schleimhaut, Lippen, weicher Gaumen, Rachen. | Jugal-Schleimhaut. |
Diagnostische Protokolle für LOPM
Schritt 1: Anamnese und umfassende klinische Untersuchung
Zahnärzte, die potenziell bösartige Läsionen im Mundraum behandeln, sollten nach Gewohnheiten und damit verbundenen Risiken wie Tabak- oder Alkoholkonsum fragen und die gesamte Mundhöhle bei guter Beleuchtung und unter Verwendung sowohl direkter als auch indirekter Schutzvorrichtungen untersuchen.
Es ist wichtig, während der gesamten Behandlung standardisierte Fotos zu machen, um den Verlauf der potenziell bösartigen Mundläsionen zu vergleichen.
Schritt 2: Biopsie und histopathologische Untersuchung
Eine Biopsie ist unerlässlich, um die Diagnose zu bestätigen und festzustellen, ob eine epitheliale Dysplasie vorliegtvorliegt. Ist dies der Fall, ermöglicht eine histopathologische Untersuchung deren Einstufung sowie den Nachweis von Atypien, anomalen Mitosen oder Bindegewebsinfiltration.
In einigen Fällen kann auf ergänzende Verfahren zur Biopsie zurückgegriffen werden, wie beispielsweise die Abklatschzytologie, die Toluidinblau-Färbung oder die Autofluoreszenz.
Klinische Nachsorge und Überwachung
Die Häufigkeit der klinischen Nachsorge hängt vom Risiko ab, d. h. vom Grad der Dysplasie:
| Art der Dysplasie | Empfohlene Kontrollhäufigkeit |
| Keine Dysplasie | Alle 6 oder 12 Monate. |
| Leichte Dysplasie | Alle 3 oder 6 Monate. |
| Mäßige oder schwere Dysplasie | Alle zwei bis drei Monate sollte man sogar eine Operation in Betracht ziehen. |
Bei jeder Untersuchung ist es unerlässlich, die Verletzung anhand von Fotos zu dokumentieren, um Veränderungen in Form, Farbe, Beschaffenheit oder Größe im Vergleich zu früheren Untersuchungen zu vergleichen. Es sollte auch überprüft werden, ob der Patient den auslösenden Faktor beseitigt hat: Tabak, Alkohol, Sonneneinstrahlung, reizende Zahnersatzteile usw.
Sollte einer dieser Fälle eintreten, muss die Biopsie wiederholt werden: Wachstum der Läsion, Farbveränderung (vor allem von weiß zu rot), Verhärtung oder Geschwürbildung, Auftreten von Schmerzen oder Brennen sowie Fortbestehen der Läsion 2 oder 3 Monate nach Beseitigung der Ursache.
Die Rolle des Allgemeinzahnarztes bei potenziell bösartigen Läsionen im Mundraum
Prävention und Früherkennung sind bei LOPM von entscheidender Bedeutung. Daher besteht die Aufgabe von Zahnärzten im Allgemeinen darin, den Mund bei jedem Termin zu untersuchen, auch wenn der Patient keine Symptome hat, um Warnzeichen zu erkennen. Wichtig ist auch die Aufklärung des Patienten über mögliche Risiken und Symptome, auf die er achten sollte.
Es ist besser, an einen Facharzt für Oralmedizin oder Kiefer- und Gesichtschirurgie , wenn der Verdacht auf Dysplasie oder Krebs besteht oder wenn die Läsion nach Beseitigung der Ursache nicht verschwindet.

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