Erkrankungen im Mund- und Zahnbereich

Zahnfluorose

Zahnfluorose tritt ohne Beschwerden auf, hat jedoch deutliche Auswirkungen auf das Aussehen der Zähne, was für die Patienten – darunter viele Kinder und Jugendliche – psychosoziale Komplikationen nach sich ziehen kann.

Sie steht im Zusammenhang mit einer langfristigen Fluoridbelastung, insbesondere in der Kindheit. Daher ist es für Zahnärzte wichtig zu wissen , wie man ihr vorbeugen, sie frühzeitig erkennen und in jedem Einzelfall angemessen behandeln kann.

 

Was ist Zahnfluorose?

Zahnfluorose ist eine irreversible Störung der Zahnschmelzentwicklung, die durch eine übermäßige Fluoridaufnahme während der Zahnbildung verursacht wird. Sie äußert sich in Form von matten weißen Flecken oder fleckigen Streifen, die in schweren Fällen gelb oder braun werden können. Außerdem kann es zu Rissen im Zahnschmelz und zu Deformationen kommen, die sowohl die Frontzähne als auch die Backenzähne betreffen können.

In den meisten Fällen handelt es sich dabei in erster Linie um ein ästhetisches Problem, das jedoch erhebliche Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl und die sozialen Kontakte der Betroffenen haben kann, was dazu führt, dass sie sich für zahnärztliche Korrekturmaßnahmen entscheiden.

Zwar ist Fluorid für die Kariesprophylaxe unverzichtbar, doch kann seine unkontrollierte Anwendung negative Auswirkungen auf die Zahnschmelzstruktur haben. Dies zeigt sich in Regionen, in denen das Trinkwasser von Natur aus hohe Konzentrationen an Fluoridionen enthält. Auch wenn Fluorose in diesen Gebieten häufig auftritt, handelt es sich dabei nicht um eine Infektionskrankheit.

 

Entstehung von Fluorose während der Bildung des Zahnschmelzes

Die Amelogenese, also die Bildung des Zahnschmelzes, verläuft in mehreren Phasen: Morphogenese, Differenzierung, Sekretion, Reifung, Schutz und Desmolyse. Im Verlauf dieser Phasen entsteht eine komplexe Proteinmatrix, die aus Amelogenin, Ameloblastin, Enamelin und Tuftelin besteht, sowie aus Enzymen wie der Metalloproteinase MMP-20 und Calicrein (KLK4), die den fortschreitenden Abbau dieser Matrix unterstützen. Diese Matrix dient als Grundlage dafür, dass die Hydroxylapatit-Kristalle, der mineralische Bestandteil des Zahnschmelzes, geordnet wachsen und so eine widerstandsfähige Struktur bilden.

Fluorose beeinträchtigt die Reifungsphase; in dieser Phase stört ein Überschuss an Fluorid den vesikulären Transport von Proteinen und verzögert deren Abbau, wodurch eine ordnungsgemäße Mineralisierung des Zahnschmelzes verhindert wird, der dadurch schwächer und poröser wird. Meistens sind gegenüberliegende Zähne betroffen.

 

Ursachen der Fluorose und wichtigste Risikofaktoren

Die Hauptrisikofaktoren für Fluorose hängen mit einer übermäßigen Fluoridbelastung im Kindesalter zusammen . Kinder unter 8 Jahren sind am anfälligsten, da sich der Zahnschmelz in diesem Alter noch nicht vollständig ausgebildet hat.

Zu den Risikofaktoren für Zahnfluorose können gehören:

  • Zugang zu Trinkwasser mit hohem Fluoridgehalt.
  • Unnötigerweise Fluoridpräparate einnehmen.
  • Säuglingsnahrung, die mit fluoridiertem Wasser zubereitet wird.
  • Mit fluoriertem Wasser verarbeitete Lebensmittel und Getränke.

Unterernährung bei Kindern ist ein weiterer Faktor, der die Auswirkungen verschlimmern kann.

Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, Eltern über die empfohlenen Fluoridmengen in Zahnpasten für die einzelnen Entwicklungsstufen im Kindesalter zu informieren. Dieses Wissen ermöglicht es ihnen, sicherzustellen, dass Kinder keinen Fluoridkonzentrationen ausgesetzt sind, die über das für ihre Entwicklung angemessene Maß hinausgehen.

 

Diagnose und Einstufung der Fluorose

Fluorose wird visuell durch eine klinische Untersuchung des Zahnschmelzes festgestellt, bei der dessen Trübung, Pigmentierung und Beschaffenheit beurteilt werden. Um festzustellen, wie leicht oder schwerwiegend sie ist, gibt es verschiedene Klassifizierungsskalen. Zwei der am häufigsten verwendeten Skalen sind:

Dean-Index für Fluorose in der Bevölkerung (ICF)

Der von H. Trendley Dean entwickelte Dean-Index wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Er wird aufgrund seiner Einfachheit häufig in epidemiologischen Studien verwendet und unterteilt Fluorose in sechs Kategorien:

  • Normal: Weißer, glänzender Lack.
  • Fraglich: Leichter Verlust der Transluzenz, wenige weiße Flecken.
  • Sehr gering: Weiße Trübungen, die weniger als 25 % der Zahnoberfläche bedecken.
  • Leicht: Weiße Flecken, die bis zu 50 % der Oberfläche bedecken.
  • Leicht: Braune Flecken und abgenutzter Zahnschmelz.
  • Schwerwiegend: Erhebliche strukturelle Defekte wie Risse und großflächige Verfärbungen.

 

Thylstrup- und Fejerskov-Index (TF)

Diese Klassifizierung ist detaillierter, basiert auf der Histopathologie der Fluorose und beschreibt mikroskopische sowie makroskopische Veränderungen; daher ist sie für die Planung individueller klinischer Behandlungen am nützlichsten. Sie unterteilt die Läsionen in neun Schweregrade:

  • TF1-TF2: Leichte weiße Trübungen.
  • TF3-TF4: Deutlichere Rillen, leichter Schmelzverlust.
  • TF5-TF6: Braune Verfärbung, Unebenheiten auf der Oberfläche.
  • TF7–TF9: Deutliche Abnutzung, tiefe Risse und Brüche.

Behandlungsmöglichkeiten bei Fluorose je nach Schweregrad

Anhand des Thylstrup- und Fejerskov-Index (TF) lassen sich im Folgenden einige Behandlungsansätze für die verschiedenen Schweregrade der Zahnfluorose aufzeigen:

Leichte Fälle

In den Kategorien TF1 und TF2 trägt die Zahnaufhellung dazu bei, den Kontrast zwischen den von Fluorose betroffenen und den gesunden Bereichen zu verringern. Dabei kommen Wirkstoffe wie Wasserstoffperoxid oder Carbamidperoxid zum Einsatz, die in den Zahnschmelz eindringen und die für die Verfärbung verantwortlichen Pigmente abbauen können. Das Verfahren ist sicher und nicht-invasiv und kann durch LED-Licht verstärkt werden.

Es ist zu beachten, dass eine Zahnaufhellung zu postoperativer Empfindlichkeit führen kann; daher ist es in bestimmten Fällen ratsam, eine Mikroabrasion durchzuführen. Dazu werden Salz- oder Phosphorsäure in Kombination mit Schleifmitteln wie Siliziumkarbid oder Bimsstein verwendet, um die oberste Schicht des Zahnschmelzes zu entfernen.

Mild verlaufende Fälle

Bei den mittelschweren Graden TF3 und TF4 ist es üblich, Makroabrasion, Mikroabrasion und Zahnaufhellung zu kombinieren. Obwohl die Makroabrasion in der Regel für schwere Fälle empfohlen wird, kann sie auch eingesetzt werden, um raue Stellen im Zahnschmelz mit Diamant- oder Karbidbohrern zu entfernen, gefolgt von einer sanften Abrasion und einer abschließenden ästhetischen Behandlung.

In bestimmten Fällen können auch minimalinvasive Techniken wie lichthärtende Harze mit niedriger Viskosität zum Einsatz kommen, die in die poröse Struktur des Zahnschmelzes eindringen und so die Läsionen optisch kaschieren.

Schwere Fälle

Bei Fällen der Schweregrade TF5 bis TF9, bei denen Zahnsubstanz verloren gegangen ist, empfiehlt sich eine Restauration mit Kompositkunststoffen, um die betroffenen Bereiche zu ersetzen. In schwereren Fällen greift man auf Porzellan-Veneers zurück, die minimalinvasiv sind und bei ausreichender Zahnsubstanz gute ästhetische Ergebnisse liefern, oder direkt auf Vollkronen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Zahnfluorose zwar eine irreversible Erkrankung ist, aber dennoch behandelt werden kann. Das Wichtigste ist, vor Beginn einer Behandlung eine genaue Diagnose zu stellen, um den Schweregrad des jeweiligen Falls zu bestimmen. Vorzugsweise sollten die Behandlungen minimalinvasiv sein, um die Zahnstruktur zu erhalten. Diese Kombination von Faktoren gewährleistet die Funktion und Ästhetik der Zähne der Patienten und trägt dazu bei, ihr Selbstwertgefühl wiederherzustellen.

Zudem verdeutlicht die Zahnfluorose, wie wichtig die Aufklärung der Eltern als Präventionsmaßnahme ist. Durch regelmäßige Besuche in der Zahnarztpraxis lassen sich Anzeichen frühzeitig erkennen, sodass die Fluoridbelastung kontrolliert und entsprechend die am besten geeigneten Produkte empfohlen werden können. Der Schlüssel liegt darin, ein Gleichgewicht zwischen den Vorteilen von Fluorid für die Kariesprävention und dem Risiko einer Fluorose zu finden.

Weitere Informationen und Quellenangaben

Leitfaden zur Mundgesundheit
Hilfe-Leitfaden

Leitfaden zur Mundgesundheit

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